Die Deutschsprachige Debattierliga (DDL) ist der Zusammenschluss dezentral organisierter Debattierturniere im deutschsprachigen Raum zu einem gemeinsamen ganzjährigen Wettbewerb. Gewertet werden die Leistungen von Clubs, Rednern und Juroren.
Das Regelwerk der DDL findet sich hier, Kontaktaufnahme mit den Koordinatoren Mareike Steiner und Justus Raimann ist jederzeit per E-Mail möglich.

Dienstag, 24. Mai 2016

Peter Tekaat aus Marburg: Von Sport, zu viel Fleisch und irgendwas mit Steuern



Am Wochenende zog es 20 Teams nach Marburg, um sich im Kampfstil der Briten dem Turnier um das Sagenumwobene Schwert, den Wanderpokal des Brüder Grimm Cups, zu stellen. Bevor die begehrte Trophäe aber mit heim genommen werden durfte, mussten sich die Teilnehmer diversen Herausforderungen stellen, die sich die wunderbaren Marburger Organisatoren hatten einfallen lassen. Beim Bauchtanz ohne Musik ertüchtigten sich die Debattierer bei einem Sportprogramm am Nachmittag. Diesmal Bauchtanz ohne Musik! Nachdem es auf der WDM bereits ein Sportprogramm gab, scheint es sich nun zunehmend im Debateland zu etablieren. Neben viel Freibier an zwei Social-Abenden in gemütlicher und unterhaltsamer Atmosphäre und vor allem wechselnden Orten kamen auch die Leberzellen auf ihre Trainingsstunden.
Außerdem eine skandalöse Anmerkung: Es gab bei einer Mahlzeit Fleisch! Der Sittenverfall macht auch vor Marburg nicht halt….
Natürlich mussten auch noch einige Meinungsverschiedenheiten geklärt werden. In den 4 Vorrunden fanden einige der Anwesenden Drittmittel für Universitäten ziemlich doof, das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei schlecht, die Idee der CDU in allen Bundesländern bei der nächsten Bundestagswahl anzutreten genial und hätten gerne im Frühjahr 1999 im Kosovo interveniert
Im Halbfinale ging es dann um irgendwas mit Steuern. Nachdem am Ende noch schnell geklärt wurde, ob die Obama-Doktrin der USA geschadet hat, standen dann auch die Sieger fest. Gewonnen hat das Team aus Tübingen bestehend aus Lennart Lockstein und Konrad Gütschow. Bester Finalredner wurde Christoph Saß aus Münster. 

(Es berichtete für Sie: Peter Tekaat, freier Mitarbeiter der Freien Debattierligazeitung, direkt und fast-live aus Marburg)

Schauen wir doch mal, ob sie auch genügend Punkte in der Tabelle gewonnen haben, um die dominierenden Göttinger zu überholen.

Wer hat Angst vorm bösen Göttinger? Laufen statt stehen bleiben ist angesagt!

Mit großem Vorsprung, aber schwächelnd: Göttingen nimmt aus Marburg gerade einmal 3 Punkte mit. Was ist denn da passiert, fragen wir uns? Der ehemalige Zweite Mainz lässt ebenfalls viele Punkte liegen und bringt keinen Einzigen in die Karnevalshauptstadt. Tübingen nutzt die Gunst der Stunde und schnappt sich somit den zweiten Platz. Der dritte Platz dahinter ist hart umkämpft: zwischen Platz 3 und 7 liegen nur 11 Punkte. Das ist, wie wir jetzt sehen, jederzeit aufholbar. Damit haben wir drei ausgeschriebene OPD- und ebenso viele BP-Clubs an der Spitze. Verwunderlich, denn bisher hatten wir in der Saison nur zwei Turniere im OPD-Stil, aber gleich fünf auf denen BP geredet wurde. Achtung Spoiler! Der Sommer wird wieder rhetorischer. Wir sind gespannt, ob sich das auf die Clubbilanzen auswirkt.

Besonders überraschend ist das Auftreten der Iserlohner in den Top10. Dreimal angetreten, nur zweimal gepunktet, aber zweimal gut gepunktet. Sie müssen sich ihre Punkte dieses Mal mit Münster teilen, andernfalls wären sie schon zwei Plätze weiter oben. Besonders fleißig war bisher die BDU: durch 8 Teams in Potsdam sind bisher 43 RednerInnen für sie angetreten. Das sind fünf mehr als für alle anderen Clubs. Gleich 20 RednerInnen hatte auch Jena bisher auf Turnieren, leider sind die jedoch mit nur 15 Punkten nach Hause gekommen und konnten sich bisher nicht in die Top10 hocharbeiten.








Ein Fleißbienchen für Jakobus Jaspersen: er hat nur Freiburg ausgelassen!


Auch in den Top20-Rednern vermissen wir die Jenenser noch. Das kann unter anderen daran liegen, dass sie viele unterschiedliche Leute geschickt haben. „Vielfahrer“ wie Lennart Lokstein findet man unter ihnen nicht. Der hat dieses Wochenende zwar 14 Punkte gesammelt, sie werden ihm aber nicht angerechnet. Ihm nicht und fast allen Top10-Rednern der DDL auch nicht. Durch ihr fleißiges Sammeln haben sie die Höchstzahl der einrechenbaren Turniere bereits erreicht und können nur durch Besserleistungen ihr Ergebnis verbessern. Redete man wie Lennart zweimal ToT, dann ist das gar keine leichte Aufgabe. Nur Jonathan Scholbach hüpft durch sein Rednerergebnis in die Top10 nach oben. Das bringt uns zur Frage des besten Redners der Saison: ist er noch einholbar? Aber immer! Gehen wir von 3 gewerteten Turnieren aus, bräuchte Fabian Bickel nur noch einmal ein so tolles Ergebnis, um Christoph Saß von Platz 2 zu verdrängen. Gleiches gilt für den Hamburger Nicolas Garz. Blicken wir zuletzt auf das neue Lieblingsthema der DDL: die Frauenquote auf Turnieren. Spitzenreiter in der Verteilung sind Bayreuth und Bielefeld mit 67, bzw. 50%. Allerdings sollte man vor den Begeisterungsstürmen dran denken, dass beide Clubs bisher auch nur 3, bzw. 4 Redner geschickt haben. Göttingen hatte – zum Vergleich – nur 11% weiblichen Anteil in seinen Teams. Dafür, man höre und staune, 100% RednerInnen mit Punkten! Das nennen wir mal breit aufgestellt.




Dienstag, 26. Januar 2016

Tübingen ruft auf zu den Spielen der Rhetorik!


Wir befinden uns im Jahre 2016 n.Chr. Ganz Debateland ist von den BP-Lern besetzt... Ganz Debateland? Nein! Ein von unbeugsamen OPD-Lern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die inhaltstarken Rhetorikleugner, die als Besatzung in den befestigten Lagern Ohnekategoricum, Oppsweatum, Argumenticum und Backstabbingcum liegen…
Die Tübinger riefen auf zu den Spielen des Großen Deus Rhetoricus und versprachen ein Turnier unter dem Namen des Schutzherrn OPD-Regelkommission. Debateland war es gewohnt verwöhnt zu werden mit Asia-Boxen, nächtigen in einschlägigen Debattierer-WGs und Feiern bei Bier und Vinum. Es waren die Spiele der übergreifenden Völkerverständigung. Ins Finale zogen zwei Teams aus insgesamt 5 verschiedenen Regionen des ganzen Debateland ein. Zählt man die Freien Redner hinzu, kommt man auf sogar 7 verschiedene Städte. Einen besonders weiten Weg hatten die Hamburger auf sich genommen: ganz aus dem Norden waren sie angereist um dem Traditionsturnier im Süden beizuwohnen. Doch Traditionen werden geboren, um mit ihnen zu brechen, und so wurden einige Redner am Sonntagmorgen unsanft und überrascht aus den auf dem Boden ausgebreiteten Laken gerissen. Wer hatte schon damit gerechnet, seine rhetorischen Fähigkeiten auch am nächsten Morgen unter Beweis stellen zu müssen? Und so passierte es, dass der Ein oder Andere Debateonike zuletzt „nachts um eins mit starker Schieflage“ gesehen ward. Doch echte Debattierer sind hart im Nehmen und bekämpfen den Kater mit einem starken Tee aus den orientalischen Gewässern. Den barbarischen Kämpfen in der Arena zum Trotz gingen am Ende nur Sieger vom Platz: ohne Kaktus, dafür mit Medaillen für alle und noch mehr Vinum für den Tabmaster gingen die Spiele vorbei. Und sogar die Vorläufer der Demokratie konnten beobachtet werden in diesem Dorf, das so tapfer Widerstand leistet. Eine Volkszählung bestimmte, wer den rhetorischen Siegertopf mit in sein Heimatdorf bringen durfte.


Göttingen sprintet davon


Göttingen verlässt die Arena in der Siegertroika und mit weitem Abstand. Inzwischen sind es schon 29 Punkte Vorsprung auf den geteilten Platz 2. M&M, Mainz und Münster, ringen um das silberne Podiumsplätzchen – wir sind gespannt, wer den anderen zuerst von der Treppe schubst. Etwas gemütlicher geht es dahinter zu. Tübingen kommt langsam, aber sicher und die Rederei scheint bereits im Winterschlaf zu sein. Ein wirklich großen Sprung kann aber kein Club machen, denn unter den Top 5 gibt es nur die Hamburger, die ohne Mixed-Team die kompletten Punkte mit in den Norden nehmen können. Interessant: nach 7 Turnieren kommen die Sieger aus 8 verschiedenen Clubs. Dieses Jahr scheint die DDL nicht von einem Topteam dominiert zu werden, sondern von dem Club, der konstant punkten kann. Momentan ist das Göttingen, mit bisher auch nur einmal einem eingekauften Redner. Noch ist die Saison aber nicht vorbei. Wir erwarten gespannt, was da noch so kommt. Mindestens 2 Turniere stehen noch auf unserer Liste, aber die 11 Turniere wären mindestens das Ziel. Kleine Clubs, große Clubs, fühlt euch angesprochen!

Das Programm zensiert Jena. Wir arbeiten daran.


Auch bei den Rednern wird Kontinuität ausgezeichnet. Lennart kann auf vier Turnieren punkten und kommt mit 3 Wertungen auf immerhin 82 Punkte. Der Maximalwert (sofern die magische Turnierzahl-Grenze nicht überschritten wird) liegt bei 90 Punkten. Mit etwas Anstrengung kann es zu der perfekten Saisonleistung kommen! Schade ist weiterhin, dass trotz (nur) zweier weiblicher Finalteilnehmerinnen immer noch keine Besserung in Hinblick auf weibliche Vertretung in der DDL zu sehen ist. Dafür muss man glatt bis Platz 27 scrollen. Schön ist auf jeden Fall die Verteilung der Clubvertreter. Leute aus allen Teilen Debatelands tummeln sich auf den vorderen Plätzen: Tübingen, Göttingen, Münster, BDU – 12 verschiedene Clubs sind in den Top20 vertreten. Scheinbar gibt es überall helle Lichter am Firnament. Das wird die Götter freuen!



Dornröschen erwachte: Paderborn richtet das erste Turnier aus!



Der Debattierclub Paderborn ist mit einem lauten Knall aus dem Dornröschenschlaf gewacht. Warum? Weil er von null auf 1235,5 km/h in unter 3 Jahren beschleunigt hat. Warum so eine hohes Tempo? Um die Schallmauer zu durchbrechen und einen unerhörten Luxusstandart in die DDL zu bringen. Abseits der Verbandsgeförderten ZEIT Debatten gab es nun das erste Mal eine nur durch Regionale Sponsoren bezahlte Jugendherberge. Darüber hinaus schon freitags eine zünftige Kneipentour, am Breakabend eine Geschenketombola und Preise für gebreakten(!) Teams und Juroren(!!). Diese mussten dafür aber auch erfolgreich in Welten, in denen Sex nicht mehr zur Fortpflanzung führt, betrügerische Richter mit Fotoshopskills betrogenen Ehepartnern Schadensersatz von VW zusprechen lassen. Beim Halbfinale am Sonntag in den Räumlichkeiten der katholischen Hochschule Paderborn gab es ein feines Süppchen mit westlich-liberale Softdrinks aller Geschmacksrichtung passend zum Staatlich verordneten Rumspringa. Für diejenigen, die die verpasste Stadtführung verpassen mussten um die Finalisten Festzulegen gab es dafür eine Kostprobe aus Bistumsweinkeller. Nach dem Finale, dass in einer westlich-liberalen-Demokratie spielte, in der es eine Stadt namens Paderborn gibt, in der wohl eine AFD und eine CDU existieren gab es sogar noch Kaffee und Kochen vom Bürgermeister. Erwähnenswert ist noch, dass ein Club, der regelmäßig eine russsiche(!) Debatte zustande bekommt und mittig in Westfahlen liegt derzeit das internationalste DDL Turnier mit 2 Teams aus Wien und einem Team aus St.Gallen ausgerichtet hat. Paderborn, ihr habt uns beeindruckt, wir erwarten von nunan nur noch Größeres!
Nicht nur Paderborn, auch Marburg scheint aus dem Dornröschenschlaf erwacht: Mit einem 7-Plätzesprung katapultieren sie sich durch ihren Sieg in die Top10. In ihrem Sog ganz überraschend St Gallen, die 14 Punkte mit in die Heimat nehmen können. Göttingen scheint sich an der Spitze der Tabelle ganz wohl zu fühlen. Sie bauen ihren Vorsprung auf satte 23 Punkte aus und Münster, Mainz, die Rederei und die BDU weit hinter sich. Was sich am Anfang noch wie ein großes Ringelrein darstellte, ist jetzt durch Göttingen zu einer One-Man-Show geworden. Da sollten sich die Clubs doch mal verbünden und gemeinsam die Verfolgung aufnehmen – Zeit ist ja noch allemal!

6 Turniere - 6 verschiedene Clubs an der Spitze


Auch bei den Rednern kristallisiert sich langsam eine Führungsspitze heraus. Lennart hat einen beinahe perfekten Start hingelegt: mit 80 Punkten aus 3 Turnieren fehlen im lediglich 10 zur Maximalpunktzahl. Anders als sein Tübinger Club, den wir auf den oberen Rängen vermissen, kann sich Lennart so mit einigem Abstand an die Spitze setzen. Christoph Saß schafft es durch die Teilnahme direkt dahinter und verdrängt Fabian Bickel beinahe vom Podium. Bunt durchmischt bleibt es dennoch: die Top10-Redner kommen aus 7 verschiedenen Clubs – allerdings kein einziger aus Mainz! Das zeugt von einer breiten Aufstellung an guten Rednern. Während man als Team auf den Turnieren viele Punkte sammelte, wechseln die Redner regelmäßig durch. Schöne Einigkeit herrscht auf Platz 17 zwischen den 3 besten Mainzern Jonas Weik, Nicolas Eberle und Peter Tekaat.

Männer, wohin man schaut. Frauen, wo bleibt ihr?