Die Deutschsprachige Debattierliga (DDL) ist der Zusammenschluss dezentral organisierter Debattierturniere im deutschsprachigen Raum zu einem gemeinsamen ganzjährigen Wettbewerb. Gewertet werden die Leistungen von Clubs, Rednern und Juroren.
Das Regelwerk der DDL findet sich hier, Kontaktaufnahme mit den Koordinatoren Leonardo Martinez und Sibylla Jenner ist jederzeit per E-Mail möglich.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Von Geschwistern und “Umeichungen“: Der Streitkultur-Cup in Tübingen


Am 21. Januar fand auch im Jahr 2017 wieder der altehrwürdige Streitkultur-Cup in Tübingen statt.
Dass dieser nicht nur für noch nicht so lang aktive und zumeist studierende Debattierer attraktiv ist, sondern auch für inzwischen weniger aktive und schon arbeitende Debattierfreunde konnte man indiesem Jahr besonders gut sehen.
Das mag an der langen Tradition des Turnieres liegen (erster SKC laut Streitkultur-Homepage im Jahre 2003, deutschlandweit gesehen also noch „Gründerzeit“) oder an den besonders hohen Anforderungen, die an die Teilnehmenden gestellt werden (Reden ohne Notizen). Es spricht aber eindeutig für die hohe Langzeitbegeisterung, die das Debattieren bei vielen vorruft, die einmal damit angefangen haben. Insofern freut es uns auch als DDL-Koordinatoren, wenn sich am „Turnierstandort DDL-Land“ auch Turniere mit höherer Alumni-Quote herausbilden.
Die zweite bemerkenswerte Tatsache ist, dass mit dem am Ende siegreichen mixed team aus Konstanz und Münster mit Niklas und Lukas Haffert das (mindestens) zweite Geschwisterpaar nach den Brüdern Lennartz beim Cup der Göttinger Sieben 2014 bei einem DDL-Turnier antrat – und gewann. Familienbande scheinen also auch gute Teamfähigkeit zu geben. Wir freuen uns schon auf den ersten Eltern/Kind-Cup im Jahr 2040!

Eine Innovation auf dem diesjährigen SKC war die Neu-“Eichung” der Punkteskala. „Eichung“ hat dabei nichts mit dem beliebten mitteleuropäischen Buchengewächs zu tun und spielt nicht etwa auf die selbstgefühlte Wachstumsrate der Punkte eines OPD-Neueinsteigers an. Auch nicht beschäftigt es sich mit der unter Teilchenphysikern populären Yang-Mills-Theorie.
Nein – es ging dabei um die Neujustierung der Punktevergabe selbst.
Bisher konnte man die auf Turnieren übliche Punktevergabe in den einzelnen Kategorien definitiv nicht durch das Lesen des – ansonsten sehr ausführlichen – „Kommentierten Regelwerks“ lernen, sondern musste einfach an genug OPD-Turnieren teilgenommen haben, um zu wissen, dass (bei 20 möglichen) 12 Einzelrednerpunkte in einer Kategorie schon sehr viel Holz (um im Wald zu bleiben) waren. Beim SKC sollte jetzt die Einzelrednerleistung nach Schulnoten („weder geizig noch freigiebig“) bewertet werden, die dann in OPD-Punkte umgerechnet wurden.

„Wer weiß, wie Wurst und OPD-Punkte gemacht werden, der will von beidem nichts mehr wissen.“ (nicht ganz nach Bismarck)


Zweite Idee dahinter: Die Punktevergabe schwankt bisher normalerweise sehr eng um einen Mittelwert, so dass am Ende sich in der Tabelle die Teilnehmenden oftmals nur um Bruchteile eines Punktes unterscheiden. Das Schulnotensystem wäre damit nicht nur intuitiver, sondern würde auch zu mehr Skalenbreite und Differenzierungsmöglichkeit führen.

Das erste glauben wir sofort, das zweite haben wir nachgeprüft. Folgener Absatz kann von nicht-Statistikfreunden getrost ignoriert werden.

Wie viele Größen im alltäglichen (und auch nicht so alltäglichen) Leben ist die Verteilung von OPD-Punkten (zumindest bei großen Datensätzen) in guter Näherung gaußverteilt. Glaubhaft wird das beim Blick auf das weltweit größte OPD-Turnier, die DDM:
Histogramm der durchschnittlichen OPD-Einzelrednerpunkte bei der DDM 2015 in Münster. x-Achse: OPD-Punkte; y-Achse: Häufigkeit, dass eine Punktzahl im Werteintervall der violetten Blöcke lag.
Die numerisch vom Computer bestimmte beste Gauß-Kurve durch obiges Histogramm korrespondiert zu einem Mittelwert von 44,2 ± 0.4 Punkten, was damit die durchschnittliche Einzelredner-Punktzahl eines OPD-Debattierers nach bisheriger „Eichung“ wäre. Die Standardabweichung, die die verwendete Breite des Punktespektrums misst, liegt bei 3,3 ± 0,4.

Die selbe Analyse haben wir für den aktuellen SKC (mit neuer Punktevergabe) und den von 2016 durchgeführt:

Histogramm der Punkte des diesjährigen Streitkultur-Cups. Achsen: siehe oben.

Zum Vergleich der vorjährige Streitkultur-Cup mit alter Punkteskala

Bei der im Vergleich zur DDM kleineren Teilnehmerzahl ist die Verteilung nicht ganz so gut Gaussisch wie oben, eine generelle Tendenz dahin ist aber trotzdem zu erkennen. Der Mittelwert des SKC 2016 lag bei numerisch bestimmten 42.5 ± 0.6 Punkten und hatte eine Standardabweichung von 3,7 ± 0,7.
Damit liegt die Durchschnittspunktzahl leicht unterhalb der DDM.
Nun zu 2017: Mittelwert 45 ± 1, Standardabweichung 7 ± 2. Trotz des recht hohen numerischen Fehlers (Mögliche Erklärung: Noch nicht alle Teilnehmer haben nach identischen Maßstäben gepunktet) ist eine Verbreiterung des genutzten Punktespektrums zu erkennen und auch eine leichte Korrektur der mittleren Punktzahl.
Interessant wäre es, noch mehr größere Turniere nach diesem System zu bewerten, um noch ein besseres Gefühl für die Unterschiede der Bepunktung am Ende zu erhalten.

Doch nun – endlich – zu den DDL(!)-Punkten und Ergebnissen:

DDL-Clubtabelle nach dem Streitkultur-Cup: Noch ist viel Bewegung an der Spitze.

Münster kann die Führung behaupten, Freiburg und Berlin rutschen aus den Top 3. Dafür finden sich dort nun die Rederei aus Heidelberg und der DCJG aus Mainz. Tübingen weiterhin der Club mit den meisten Jurierpunkten. Noch aber ist die Münsteraner Führung nicht groß, wir erwarten noch einen spannenden Wettbewerb um das Treppchen in den kommenden Wochen.

Zum Einzelrednerranking:

Die Einzeltabelle der DDL nach dem SKC: Wir gehen diese Saison von vier gewerteten Turnieren aus.
Mit dem Abschluss des vierten Turnieres der Saison stellt sich für uns die Frage, wieviele Turniere wir für das Einzelrednerranking werten sollen. Nach Regelwerk werden mindestens drei, höchstens ein Drittel der Gesamt-Turnieranzahl gewertet. Wir gehen diese Saison von mindestens 12 Turnieren im Rahmen der DDL aus, so dass wir ab jetzt vier Turniere werten werden. Sollten es doch weniger Turniere werden, reduziert sich die Zahl der Wertungen natürlich wieder auf 3. Somit kann Jakobus seine Spitzenposition  behaupten, Christoph schiebt sich auf den zweiten Platz.
Mit diesem Turnier hat sich auch die Frauenquote in den Top 20 wieder etwas verbessert. Wir hoffen, dass dieser Trend anhalten wird!

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