Die Deutschsprachige Debattierliga (DDL) ist der Zusammenschluss dezentral organisierter Debattierturniere im deutschsprachigen Raum zu einem gemeinsamen ganzjährigen Wettbewerb. Gewertet werden die Leistungen von Clubs, Rednern und Juroren.
Das Regelwerk der DDL findet sich hier, Kontaktaufnahme mit den Koordinatoren Leonardo Martinez und Sibylla Jenner ist jederzeit per E-Mail möglich.

Freitag, 18. Mai 2018

Debattiercrescendo: Was die letzten Turniere brachten

Kurz vor der DDM möchten wir die Debattierliga auf den neuesten Stand bringen und euch Lesematerial für die Fahrt nach Jena geben. Hier der erste Teil: Der Gutenberg-Cup:

Ah, der Gutenberg-Cup, dieses traditionelle Turnier des Absurden wo die Vernunft eher ein Manko ist; wo eventuell Deine-Mudda-Witze oder niedliche Katzenvideos Teil des Themas sein können. Schon seit dem Gutenberg-Cup 2016 dachte ich mir “Ein Mal in meinem Leben muss ich den Gutenberg-Cup chefjurieren”. Als ich angefragt wurde, ob ich zusammen mit The Mighty Thore den diesjährigen chefjurieren möchte, freute ich mich enorm. Die Zusammenarbeit mit Thore war unglaublich produktiv; wie unsere Casefiles es beweisen:

Abbildung 1: Unsere tollen Casefiles

Nun, auch ohne Casefiles kann man sehr produktiv sein. Die Arbeit war aber alles andere als einfach. Schon die Frage, was eigentlich eine Spaßdebatte ist, war schwer zu beantworten, geschweige denn ihre Bewertung im OPD-Schema. Wir beschlossen, dass eine Spaßdebatte nicht zwanghaft humorös sein muss, sondern dass sie einen hohen hohen Unterhaltungswert haben sollte. Dadurch, so hofften wir, würden Leute sich weniger dem Druck ausgesetzt fühlen, dass sie auf Knopfdruck witzig sein müssen.
Aber was für Themen eignen sich für eine Spaßdebatte? Die Debatten haben inhärent keinen vorhersehbaren Ablauf. Viele Themen sind witzig beim Stellen, aber nicht beim Debattieren. Themen, die alleine auf absurden Anträgen basieren, können die Opposition in einen “Langweiler”-Case drängen. Um euch die Geschichte nicht zu lang zu machen: Ich glaube wir haben es schon ganz okay gemacht ;-)

In der ersten Runde wurde das Harry-Potter-Universum zynisch auseinandergenommen und durchanalysiert. Es war auch von langen, dicken, harten Zauberstäben die Rede; wie Teenager den ganzen Sommer über nur mit ihren prächtigen Zauberstäben herumspielen bis sie Funken erzeugen. Aber das ist gut, denn dann haben sie keine Zeit um an Sex zu denken!
Runde zwei brachte eine Debatte über den inneren Konflikt Disneys: Wollen sie Leute glücklich machen, oder möglichst viel Geld verdienen? Geht die Welt unter, wenn Star Wars nicht mehr US-amerikanisch ist? Was, wenn wir eine Mauer um Disneyland bauen und die Amis dafür zahlen lassen?
Die dritte Runde brachte deutlich meer witze. Das war schon ziemlich spritzig. Ich glaube, alle waren ziemlich blau. Teilweise war es eine eiskalte Debatte über Sozialismus, Kapitalismus und die unsichtbare Flosse, die den Fischmarkt lenkt. Teilweise ging es um Fisch-Sex. Es wurde über Blasenbildung gesprochen, die Philosophen Artur Schuppenhauer und Karpf Marx, wie diese die Seevietunion beeinflusst haben und wie das Reichtum der reichen Fische zu den tieferen Schichten runtertröpfelt und den demokratischen Fischkurs beeinflusst. Man konnte gegen den Strom schwimmen oder für eine optimale Schuppenallokation plädieren. Eine solche Welle von maritimen Wortwitzen war zu 90% der Grund gewesen, weshalb ich das Thema stellen wollte.
Der Tag brachte drei entpannte Vorrunden, ein Pubquiz mit Thore selbst und die Party mit DJ Witthaut. Selbst für ein Paar Runden Schach zwischendurch gab es Zeit!

Doch am nächsten Tag sollte es weitergehen: Im Halbfinale stritten Teams über die eigentlichen Aufgaben von Geheimagenten und ob sie alle Bond Girls abschleppen dürfen als Teil ihres Jobs. Am Ende standen sich im Finale das Team aus Münster und der Rederei gegenüber. Der Streit drehte sich um die Frage, ob man Menschen, die einem Filme spoilern, verklagen dürfen sollte. Teilweise ging es um den Mord an Albus Dumbledore (oder war es aktive Sterbehilfe?), teilweise um die Bibel (Spoiler: Jesus stirbt. Spoiler 2: Er steht wieder auf!). Das Finale war hochgradig clever und witzig und selbst der Hauptjuror sagte, dies sei in seinen sechs erlebten Gutenberg-Cup-Finals das schönste gewesen.


Was erzählt uns die Tabelle? Nun, Tübingen und Münster rücken wieder nach vorne und kämpfen gegen Berlin um das Gold. Der DC Heidelberg wird damit wieder vom Treppchen geworfen, ist aber noch nicht aus dem Rennen. Der Abstand zu den hinteren Plätzen vergößert sich; noch ist nicht alles in Stein gemeißelt, aber bevor Mainz oder die Rederei über einen Ligasieg reden, werden sie Formulierungen brauchen wie "Wir müssen drei Turniere gewinnen und hoffen, dass Tübingen kein Team schickt"


Was tun die Redende? Christoph Saß lässt grüßen, und schnappt sich den dritten Platz auf Kosten von Pegah Maham. Im Trend sind auch Jakobus Jaspersen mit seinem Top of the Tab und auch, äh... Sven klettert viele Plätze hoch. Gleich sehen wir, wie sich alles weiter entwickelt.

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