Die Deutschsprachige Debattierliga (DDL) ist der Zusammenschluss dezentral organisierter Debattierturniere im deutschsprachigen Raum zu einem gemeinsamen ganzjährigen Wettbewerb. Gewertet werden die Leistungen von Clubs, Rednern und Juroren.
Das Regelwerk der DDL findet sich hier, Kontaktaufnahme mit den Koordinatoren Leonardo Martinez und Sibylla Jenner ist jederzeit per E-Mail möglich.

Mittwoch, 18. Juli 2018

Mit Schlafmangel über die Welt wettern, feat. Melonenschnaps: Der Reedhoven-Cup

Der liebevolle Debattierclub Bonn lud alle Freunde des Debattierens von fern und nah zu ihrem alljährigen Traditionsturnier, dem Reedhovencup ein. Neben exzellenten Wortwitzen erwartete die Teilnehmer dort vor allem Freunde, Spaß, spannende Themen und ein exzellentes Jurorenfeld.

So begab es sich also zu der Zeit vor vielen, vielen Monden, dass eure Koordinatorin sich wieder einmal im Nachtzug durch die ganze Republik geschlafen hat, um euch, mit denkbar viel Verspätung (OH GOTT: Vielleicht werde ich selber zur Deutschen Bahn??) Bericht zu erstatten.

Was macht man wenn man um 4 Uhr morgens aus dem Nachtzug steigt und weiß, dass noch viele Stunden vergehen bevor man seine Freunde sehen kann, weil diese in ihrem Leben vernünftige Entscheidungen treffen und um solche Uhrzeiten schlafen? Man hat sich bereits die Zeit damit vertrieben, sein Portemonnaie auf die Gleise zu werfen, — (Hierbei übrigens, pro tip: Wenn du Samstags um 4 Uhr morgens auf einem leeren Gleis, in einer fremden Stadt stehst und auf die Bahnpolizei wartest und sich das für dich anfühlt wie ein typischer Samstag: dann fährst du auf zu viele entlegene Turniere) — und du weißt, dass du dich in ein Paar Stunden mit den versiertesten Argumentierern Deutschland messen muss?
Nun, du genießt den Sonnenaufgang auf der wunderschönen Panoramaterrasse des Hotel Könighof und lässt dich, mit Blick auf die aufgehende Sonne über den Rhein, auf einen sehr starken Kaffee einladen („Empfehlen Sie uns weiter“ tue ich hiermit sehr gerne: Wer gerne etwas luxuriöser crashen möchte: die haben dort wunderbares Frühstück und eine herausragende Aussicht).

Als sogar ich es endlich auf das Turnier schaffte, durfte ich feststellen, dass dieses mit einem herausragenden Jurorenfeld bestach. Viele der Redner, die sich intensiv auf die DDM vorbereitet hatten, nutzten hier Gelegenheit, um ihr Jurierkonto wieder zu füllen. So wurde der Jurorenbreak für die liebevollen Chejfuroren Jule und Christoph zu einer echten Herausforderung und das gesamte Turnier wart mit wunderbaren Feedback versorgt.

Trotz der vermeintlichen Liebe in den Herzen der Chefjuroren, hatten sie indes keinerlei Respekt übrig für geistig schlafenden Teilnehmer und entschieden sich dafür, die Redner lieber sofort ins kalte Wasser zu werfen und uns mit einer Wirtschaftsdebatte in den Tag zu geleiten.

So stritten wir uns also die nächsten zwei Stunden darüber, ob wir “Städten verbieten sollten spezielle finanzielle Anreize für Firmen zu schaffen, um ihren Sitz oder ihre Produktion in diese Städte zu verlegen.” Wir waren dabei alle erstaunlich konzentriert bei der Sache, weil uns die Chefjuroren skandalöserweise das Twittern verbaten.

Indes waren auch hier einige Teilnehmer konzentrierter als andere.


Wir begaben uns weiter hinein in eine klassische Quotendebatte, die uns in die glamouröse Welt von Hollywood entführte. „DHW den Oscar in allen Kategorien, in denen er an ein Individuum verliehen wird, geschlechtergetrennt vergeben.” (Eventuell überschätzen hier jedoch einige von uns die Rolle, die das Hochschuldebattieren in der Gesamtgesellschaft spielt, ein wenig. “Einen Oscar zu bekommen ist etwa so wie den Nachwuchspreis zu kriegen.“)
Nachdem wir von einer besseren Welt träumten (Wer hätte nicht gerne weibliche Transformers? - Das nenne ich mal Impact!) Ging es in den nächsten zwei Debatten um das große Ganze: Wie wollen wir in unserer Gesellschaft zusammenleben? Unsere Analysefähigkeiten wurden hart auf die Probe gestellt, als Jule und Chris uns fragten, ob wir lieber wollten, dass die großen politischen Entscheidungen unserer Zeit von 100 zufällig ausgewählten Menschen getroffen werden, oder aber von 700 alten weißen Männern?
Schwierig.
(DHW zufällig ausgeloste Bürgerversammlungen von 100 Menschen für Fragen von nationaler Bedeutung einsetzen und ihre Empfehlungen bindend umsetzen.)

Das Social war weniger herausfordernd. Bei wundervoll untergehendem Abendlicht genossen wir einen ruhigen Abend unter Freunden und leerten den Melonenschnaps.
Während unsere schwierigste Aufgabe des Abends beim wizard-spielen lag, wurde die Halbfinalfaltung für unsere CAs zur mathematischen Fingerübung. Bei Tausend gebreakten Tübinger Teams (grobe Schätzung) und etwa gleich vielen Tübinger Juroren musste schließlich die Faltung 1/2/7/8 und 3/4/5/6 verwendet werden.
Die acht Teams, die es ins Halbfinale schafften, konnten sich vor allem auf eines einigen: Die spinnen, die Amis!
Letztendlich zogen somit die vier Teams ins Finale ein die sich am besten in das Mindset von Amerikanern hineinversetzen konnten. Ob das nun eine wünschenswerte Fähigkeit ist, sei mal dahingestellt. Das Finale verlangte von seinen Teilnehmern mehr Ernsthaftigkeit ab: Sollte die Staatsgewalt im britischen Königreich nicht mehr von einem alten Mann mit langem Bart auf einer Wolke ausgehen? (Dieses Haus, als United Kingdom, würde die britische Monarchie auflösen)

Letztlich wurde es eine klassische Rederei-Trainingsdebatte. Angélique vom Debattierclub Heidelberg beehrte uns als Gast - und natürlich wie immer mit dabei Johannes. Anna redete (mal wieder) über die Kardashians, Wirtschaft ist uns mal wieder egal. Vielleicht kann man es auch auf den kumulierten Schlafmangel von Julius und mir zurückführen; Julius und ich machten den üblichen Blödsinn.

Quiz: Sollte ich eine communist extension im Finale machen?
a) Möchtest du Spaß haben?
b) Möchtest du das Turnier gewinnen?

Bei A: Wenn du Spaß daran hast einfach mal rumzuwettern, den Lauf der Dinge zu bedauern, die Ungerechtigkeiten der menschlichen Existenz zu beklagen und dem Impact an sich den Krieg zu erklären, dann auf jeden Fall. Selten wirst du eine so schöne Gelegenheit finden, deine Unzufriedenheit mit der Welt einer größeren Öffentlichkeit mitzuteilen.
(“Der Bauer hat keine Zeit seine Existenz als Bauer zu hinterfragen, wenn er sich darüber freut, wie schön seine Prinzessin ist.”)

Bei B:
Mach mal lieber Backlash.


Die Glückwünsche der DDL gehen hierbei nochmal an David aus der es zusammen mit René schaffte gleich sein erstes Turnier zu gewinnen!

Es bleibt noch einen kurzen Blick auf die Tabelle nach den Reedhoven-Cup zu werfen.

An dieser Stelle möchte ich (Leo) mich für einen Zahlendreher entschuldigen: Wie ein aufmerksamer Leser korrekterweise darauf hinwies, fehltem der Streitkultur einige Jurorenpunkte vom zu Hause organisierten Turnier. Wegen eines Rundungsfehlers bekam die BDU einen Punkt zuviel. Korrigiert man dies, so ist die Tabelle noch sehr knapp, doch mit einer Tübinger Nase vorn.

Nun, der Witz am Reedhoven-Cup ist, dass sich die individuellen Platzierungen nicht ändern. Die üblichen Clubs sammeln fleißig Punkte, aber nicht genug um andere zu überholen. Die Rederei wird für den DC Heidelberg sehr gefährlich; kann Darth Presidious sie noch aufhalten?


Von Bonn profitieren vor allem Julius Steen und Anton Leicht, die deutlich nach vorne rücken. Benedikt Rennekamp schafft es, seinen Platz zu verteidigen. Damen sind nach wie vor rar in der Tabelle, aber vielleicht ändert sich ja was. Bald werden nicht nur die besten drei Ergebnisse zählen!


Den nächsten Bericht gibt es bereits morgen!

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